
PRESSEMITTEILUNG
Der gesamte Ausstellungsraum von 340 qm scheint sich durch die Schwarzlichtbeleuchtung
in eine einzige blue box, auch chroma key genannt, zu verwandeln, aus dem
die Objekte quasi ortlos herausgelöst werden können; die kreisrunden
Bodenflächen scheinen zu schweben und laden zu einem ungewöhnlich
leuchtenden Farbraumerlebnis ein.
Die Künstlerin hatte bereits in ihrer letzten Ausstellung die Bedeutung
des Kreises als perfekter geometrischer Körper und Sinnbild für
das Kontinuum von Zeit in westlicher Metaphysik, wie auch seine komplementäre
Signifikation von Fülle/Leere und Kreation/Zerstörung in asiatischen
Traditionen auf das Objekt der Scheibe übertragen. Diese Scheiben wurden
auf ihrer Oberseite mit Lumiluxpigmenten bedruckt, auf ihrer Unterseite mit
Rollen versehen, und dann auf den Boden eines Raumes ausgesetzt. In Schwarzlicht
getaucht trieben diese 50 gleichformatigen "Nachtschwärmer"
wie "shining islands" über eine imaginäre schwarz-blaue
See, wo sie als poppig-leuchtende Variablen ohne Bezug zu einem "Kontinent"
und kulturelle Einbindung in einem künstlich globalen Weltmeer unbeirrbar
weiterleuchteten. Vielleicht verkörpern diese "Nachtschwärmer"
als "shining islands" das Ideal des entrückten, für uns
nur selten erfahrbaren Reichtums von Natur, Licht und Farben der historisch
und künstlerisch romantisierten Südseeinseln, oder verbildlichen
den Blick in den Weltraum mit seiner unverständlich beständigen
und mit Licht durchzogenen Dunkelheit.
Diesen Aspekt des Unerreichbaren und Transzendenten kehrt Schumann jedoch
auf unsentimentale Art und Weise in ihrem neuesten Projekt um, indem sie diese
fernen Farbzonen in der Form fluoreszierender Teppichinseln im Alltag in einen
persönlichen Lebensraum hinüberträgt. Mit der Ausstellung "Chroma
Key" wird Schumanns Welt wortwörtlich begehbar und zu einer gemeinsamen
Erfahrung - eine erneute Annäherung an die komplexe individuelle künstlerische
Sicht.
Wie bereits in vorherigen Ausstellungen ist auffallend, dass Schumanns Kunst
nicht abbildet, sondern mit Licht, Fasern und Gefühlen durchwirkt ist.
Schumanns Arbeiten verunsichern durch ihren nicht verhaftenden und ebenso
wenig darstellenden Blick. Mit ihrem Auge für Farbe, Formate, Umrisse,
Motorik und Texturen bleiben ihre Raumbilder prinzipiell "leer"
und sind nicht im klassischen Sinne analysierbar, verfügbar oder erwerbbar.
Information wird alternativ als Licht vermittelt, eine Eingliederung physischer
Körper in die Strukturen und Signale unserer Vergangenheit und Gegenwart,
die von der Künstlerin anders gesehen und weitervermittelt werden. Schumanns
Lichter suchen genauso wie sie zeigen. Sie sind mehr Fragen als Feststellungen.
Produktion und Rezeption bleiben transparent und ohne Ende. Als solche stellen
Schumanns Ausstellungen eine Herausforderung an die verschiedenen Ebenen von
temporaler, räumlicher und metaphorischer Wahrnehmung dar, was wiederum
eine Atmosphäre von Beteiligung, wenn nicht sogar Menschlichkeit, zur
Folge hat. Das Ergebnis ist ein ungewöhnliches und nachdenklich stimmendes
Kunsterlebnis, das weder dem Wunsch des Besuchers nach augenblicklicher Verfügbarkeit
noch dessen Ablauf innerhalb geläufiger Galerie- oder Geschäftszeiten
nachkommt: Light Art in Difficult Space.
Aus: Light Art in difficult Space, von Isabel Seliger, New York 2002
Vernissage am 22.März 2002 um 19.00Uhr Ausstellungsdauer:
23.3.2002 bis 21.4.2002
Die Ausstellung wird unterstützt von CARPET CONCEPT, stilwerk , Raumakzente
Düsseldorf
Kontakt: fon stilwerk: 0211-86228-100 www.stilwerk.de oder: regine_schumann@hotmail.com