|
ihre
arbeiten gewinnen ihre hauptinspiration aus dem medium, in dem sie
arbeiten. das aufregende ihrer kunst scheint in erster linie in
der reinen konzentration auf die erfindung und anordnung von räumen,
oberflächen, formen, farben usw. zu liegen, unter ausschluss
all dessen, was nicht notwendigerweise mit diesen faktoren zusammenhängt.
diese Äußerung, die clement greenberg einmal sinngemäß
über die klassischen avantgardekünstler der frühen
moderne formulierte, trifft ebenso genau die arbeit schumanns. im
zentrum ihrer arbeit stehen die wechselwirkungen zwischen farbe,
licht und material. seit beginn der 90er jahre arbeitet die malerin
primär mit fluoreszierenden materialien wie acrylglasplatten,
synthetischen plastilightschnüren, fluoreszierenden pigmenten
und papieren. ihre werke sind in vielschichtiger weise reaktiv.
ihr gehalt changiert nicht nur mit den implikationen eines künstlerischen
produktionsprozesses oder den wahrnehmungsprozessen der betrachter,
sie bedingen sich auch durch äußere komponenten, dem
unterschiedlichen einfluss von tageslicht und dem künstlichen
schwarzlicht, das die nachtseite der werke zum vorschein
bringt. die hohe leuchtkraft ihrer bilder erfordert neue termini
und ein nachsinnen über eine neue definition von farbe. ganze
räume werden in neu empfundenes und zugleich vergängliches
licht getaucht. fluoreszierende farben, gleißende bildflächen
und -räume, kalte und sphärische stimmungen treten auf,
die sich kaum mehr mit vergangenen und bekannten erscheinungen in
der gattung vergleichen lassen. bewusst nimmt die künstlerin
mit der entscheidung für industriell vorgefertigte produkte
ein begrenztes farbspektrum in kauf, das sie in zahlreichen kombinationen
und variationen zu differenzieren weiß. markant nutzt sie
die signalhaftigkeit der farben, die oft durch den alltagsgebrauch
inhaltlich und assoziativ ganz anders belegt sind und nun in einen
diffizilen, gestalterischen prozess überführt werden.
anlässlich der gleichnamigen ausstellung in der kunsthalle
nürnberg 1999 wurde der begriff chroma für
die beschreibung der neuen farbigkeit innerhalb der malerei und
skulptur vorgeschlagen, um die von jungen künstlern eingesetzten
synthetischen stoffe und farbphänomene zu beschreiben, die
sich mit herkömmlicher terminologie nur schwer fassen lassen.
chroma bezeichnete im griechischen zunächst haut
und hautfarbe, dann im erweiterten sinne auch farbe.
schließlich umfasste der begriff auch das auratische phänomen
farbe, das das leuchten, strahlen und schillern mit
einschließt. zwar kannten die griechen noch keine leuchtstarken
farben (sie sind erfindungen des 19. und 20. j ahrhunderts), doch
scheint es, als ziele der begriff eben gerade auf jene synthetisch
strahlende, oft künstlich wirkende farbigkeit, für die
die begriffe des couleur oder des farbtones
heute nicht mehr ausreichend scheinen. der begriff scheint auch
unter dem aspekt erweiternd, als er das bedingte verhaftetsein materieller
oberflächen (haut) mit ihrer farbwirkung berücksichtigt,
ein aspekt, der bei den arbeiten schumanns herauszuheben ist. ihre
werke bewegen sich zwischen abstraktionen, konkreten dingen und
sphärischen erscheinungen einer immateriellen, zugleich ungemein,
oft auch unbequem sinnlichen qualität. sie existieren als schichtungen
glatter flächen, bisweilen mit folienhafter transparenz, als
gitterstrukturen chaotisch anmutender häufungen, poetischer
assemblagen und streng formierter farbfeldreihen. es entstehen farbflächen,
die aus den oft genau vorkalkulierten bildformaten ausbrechen und
in den umraum hinüberstrahlen und aus ihrem körperhaften
dasein sich in eine immaterielle welt verselbstständigen.exemplarisch:
die acrylglasarbeiten, die lumiluxpigmentmalerei, die häkelarbeiten,
fluoreszierende teppicharbeiten, raumgreifende installationen undarchitekturbezogene
auftragsarbeiten
auszug aus: auf der suche nach einer
neudefinition von farbe von sabine maria schmidt, 2001
.............. 
|